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Seattle 2012: Ein Blick auf Yeosu 2062?

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

(Hinweis: Urso hat diesen Beitrag ursprünglich am 1. Dezember 2011 im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Expo 2012 Yeosu veröffentlicht. Wir veröffentlichen ihn hier posthum. Der Originalbeitrag ist hier abrufbar.)


Wie wird die Expo 2012 Yeosu verändern? Wie wird man sich in fünfzig Jahren an sie erinnern? Einen Eindruck davon kann man in Seattle gewinnen. Die Stadt bereitet sich darauf vor, den 50. Jahrestag ihrer letzten Weltausstellung zu feiern – oder ihrer „World’s Fair“, wie Weltausstellungen in den USA meist genannt werden. Die Expo 1962 Seattle, die Century 21 Exposition, hinterließ viele bleibende Vermächtnisse, sowohl materielle als auch immaterielle.

Wie Yeosu war Seattle damals weniger bekannt und geografisch relativ weit von größeren Ballungszentren entfernt. Vor 1962 richteten in den USA meist größere Städte Weltausstellungen aus: New York, Chicago und San Francisco. Seattle läutete eine Ära ein, in der kleinere Städte Weltausstellungen ausrichteten, um Interesse für verschiedene Regionen zu wecken und neue städtische Viertel zu entwickeln. Nach 1962 orientierten sich mehrere Städte an Seattle als Modell für Stadterneuerung und Wirtschaftswachstum. Die Expo 1968 San Antonio (HemisFair ’68), die Expo 1974 Spokane, die Expo 1982 Knoxville und die Expo 1984 New Orleans (Louisiana World Exposition) nahmen sich alle mehr oder weniger Seattle zum Vorbild. Seattle profitierte zweifellos von dieser größeren Bekanntheit – manchmal zum Leidwesen der Einheimischen, die sich vielleicht etwas weniger Wachstum in ihrer Stadt wünschten.


Seattle heute


Seattle ist heute das Zentrum eines Ballungsraums mit rund 3,7 Millionen Menschen. 1962 war es allerdings nur etwa die Hälfte. Direkt nördlich der Innenstadt steht die Space Needle, das Symbol, das heute weltweit mit der Stadt verbunden wird. Ein Seattle ohne die Space Needle ist kaum vorstellbar, doch beinahe wäre sie nie gebaut worden.

Als die ersten Pläne für eine Weltausstellung in Seattle entworfen wurden, zog man mehrere Konzepte in Betracht, doch erst später entstand die Idee eines privat finanzierten Turms (mit Restaurants). Noch heute zählt die Space Needle über eine Million Besucher pro Jahr und ist damit die wichtigste Touristenattraktion im Nordwesten der USA.



Die Space Needle steht im treffend benannten Seattle Center, dem räumlichen Vermächtnis der Expo 1962 Seattle. Nahe dem Fuß des Turms befindet sich die nördliche Endstation von Seattles eigener Einschienenbahn, die für die Weltausstellung gebaut wurde. Sie war die erste kommerzielle Einschienenbahn der USA. Sie verband das Weltausstellungsgelände mit der Innenstadt und fährt bis heute.

Der Pavillon der Vereinigten Staaten auf der Century 21 Exposition widmete sich der Wissenschaft. Heute ist der Komplex das Seattle Science Center. Die Gebäude und Türme entwarf Minoru Yamasaki, derselbe Architekt, der das World Trade Center in New York entwarf.

Doch nicht alle Vermächtnisse bestehen aus Beton und Stahl. Die Erinnerungen an die Weltausstellung inspirieren die Menschen noch Jahrzehnte später. Der Seattler Autor Knute Berger schreibt oft über die Weltausstellung. Er führt an, dass die Century 21 Exposition von 1962 seine eigenen Erwartungen an das Leben im 21. Jahrhundert geprägt habe. Seattle blickt oft auf 1962 zurück, um Bilanz zu ziehen, wo die Stadt heute steht. Berger findet viele Gründe, stolz auf die Weltausstellung zu sein. Dazu zählt er die Fähigkeit der Stadt, bei der Stadtentwicklung einen Konsens herzustellen, den Fokus auf die Entwicklung der Innenstadt statt der Vororte und die Demonstration eines regionalen Verkehrssystems. Er nennt auch die Anfänge einer grünen Bewegung schon damals, als die Stadt die Vision einer sauberen und intelligenten Stadt vorstellte – ein Vermächtnis, dem Seattle gerecht geworden ist.

Der offizielle Weltausstellungsführer sagte eine Zukunft voraus, in der wir in lautlosen Fahrzeugen zur Arbeit gleiten und in Büros voller lauter Computergeräusche arbeiten würden. Bei manchen Details mag man danebengelegen haben, doch der allgemeine Idealismus und die Inspiration, die die Weltausstellung weckte, sollten Jahrzehnte überdauern.



Die Seattle Center Foundation, die das ehemalige Weltausstellungsgelände fördert, organisiert eine Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten zur Feier des großen Jubiläums. Unter dem Namen „The Next Fifty“ sammelt sie Zeitzeugenberichte zur Weltausstellung, plant einen 10-Kilometer-Lauf, bietet Stadtführungen an und veranstaltet Konferenzen und Ausstellungen. Im zukunftsgewandten Geist der Expo 1962 Seattle fordert The Next Fifty die Gemeinschaft außerdem auf, sich vorzustellen, was die Jahrzehnte bis 2062 bringen werden.

Heute mag sich in Yeosu alles um 2012 drehen, doch man kann darauf wetten, dass die Menschen 2062 immer noch die Weltausstellung, das Meer und die Küsten feiern werden. Und mit etwas Glück werden sie dann auch schon auf 2112 blicken. Die Jahre der Planung mögen 2012 enden, doch das Vermächtnis der Weltausstellung beginnt an dem Tag, an dem sich ihre Tore schließen.

 
 
 

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